Donnerstag, 26. Februar 2009

Roktett reloaded


Liebes Roktett!
Ich bin gerade dabei, die Homepage dezent zu aktualisieren. Dazugekommen sind Eigenwerbung für Muggen, bessere Künstlerphotos (Achim Fischer sei Dank), außerdem habe ich in ein paar Charakterisierungen rumgeschweint. Wer Einwände oder Anregungen hat, möge sich melden.

Samstag, 21. Februar 2009

Berliner Luft in Zürich



Nachdem wir keine Karten für Sir Simon und seine Band mit Bruckner und Messiaen mehr ergattern konnten, nahmen wir heute mit den Schweizern aus der selben Gang vorlieb.
Sehr gespannt blickten wir auf das Programm, das auch eine Komposition des Cellisten David Riniker enthielt, der selbst Mitglied der Berliner Philharmoniker und selbstverständlich Schweizer ist.

Auftakt war das g-Moll Quintett von Mozart. Für den Komponisten wohl ein eher düsteres Stück und wahrscheinlich in der Tat das düsterste dieses Nachmittags, abgesehen von der Fasnachts-"Musik", die derzeit vor unserem Fenster ihr Kreise zieht - welch Absturz nach einer so wundervollen Bereicherung!
Leider konnten die Fünf bei diesem Mozart das Fehlen eines Dirigenten nicht verbergen. Das Stück wirkte durchweg und vor allem in den schnellen Sätzen klapprig und man hatte den Eindruck, als hätten sie das noch nicht sehr häufig zusammen geprobt. Besonders die erste Geige Bettina Sartorius schien mit ihrer Stimme zu kämpfen und eher gegen das Stück und die anderen zu spielen. "Simon, we need you!" Überhaupt wirkten die überwiegend jüngeren Musiker durch das ganze Programm extrem schüchtern und unerfahren als Solisten, was für das berühmteste Orchester der Welt kurios erscheint. Immerhin haben sie sogar einen Noten-vom-Pult-Abhol-Service. Das gibt es nicht einmal bei den Emersons!

Weiter ging es mit dem Werk des Cellisten. Als eine Art Reminiszenz an Mendelssohn, Brahms, Bruckner und Konsorten - jedenfalls passend zum Programm - schrieb er das Stück für eine Besetzung, so dass alle Schweizer der Berliner zum Zuge kamen - dadurch leider etwas schwach im Bass. Diesmal mit Christophe Horák an der ersten Geige, wobei sich diese bei Rinikers Werk kaum von den anderen abheben sollte. Es bestand zum großen Teil aus gesprächsartigen Zuwürfen von Subgruppen des Septetts. Insgesamt ein eher amüsantes Stück, aber so war es wohl auch vorgesehen. Ein Cellosolo hat sich der Komponist freilich auch noch eingebaut und man sah allen Spielern des Spaß an, der sich auch auf das schmunzelnde Publikum übertrug. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: das war keine Unterhaltungsmusik, nur auf witzige Art und Weise gesetzt. Kompliment!
Bleibt die Frage: wo bekommen wir die Noten her?

Es folgte ein für mich unbekanntes Werk von Ernö Dohnányi, ein impressionistisches Trio. Naiv gesagt klang es wie eine Mischung aus Brahms und Shostakovich und bot so eine ideale Überleitung von der Romantik zu unserem geliebten Russen. Die Geige diesmal Aline Champion, welche brilliant spielte, jedoch ebenso schüchtern wirkte. Liegt es daran, dass die Leute nicht von den ersten Pulten kommen? Ein wunderbar fetziges Scherzo, der in mit einem falschen Fortissimo-Ton Champions endete, was bei ihr zu einem verlegenen Lächeln und beim Publikum zu verfrühtem Applaus führte. Oder gehörte das etwa so?

Beim Oktett von Shostakovich half der Cellist Thomas Grossenbacher von der Tonhalle Zürich aus, an der ersten Violine wieder Horák. Zu diesem Stück kann ich nur eines sagen: genial und typisch Shostakovich! Besonders in Erinnerung blieb mir die Stelle im Finalsatz, in der die Geigen in der Tonhöhe versetzt das Thema spielen, was zu einem interessanten Effekt führte. Das Stück wurde präzise vorgetragen und vermittelte dem Hörer eingehend das Finstere und Depressive im ersten und das Aufbrausende im zweiten Teil des Oktetts.

Als Zugabe gab es
Das macht die Berliner Luft Luft Luft...
angekündigt durch den Cellisten auf Schweizerdeutsch und das Publikum klatschte mit. Irgendwie scheint das langsam zu jedem Konzert dazu zu gehören. Auf dem Weg zum Parkhaus wurde auch schnell klar, welche Melodie noch eine Weile im Kopf bleiben wird. Ein Ohrwurm aus Berlin.

Dienstag, 3. Februar 2009

Happy Birthday!

Auf die nächsten 200 Jahre, alter Freund!

Warum man sein Handy im Konzert ganz ausschalten sollte

Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, Adagio un poco mossoDer Pianist ergriff die Flucht nach vorne ins Rondo.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Trübe, zunehmend heiter: Sol Gabetta in Friedrichshafen

Schon in der Zufahrt zum Parkhaus stauten sich die dicken Limousinen - Friedrichshafen (über 50) strömte im Sonntagsstaat ins Zeppelinhaus. Etwas erstaunlich für ein Kammerkonzert, auch wenn die Solistin jung, zierlich und blond und nebenbei auch eine exzellente Cellistin ist.
Oh. Doch die "Wiener Johann Strauss Gala".
Zwei Stunden Walzer am Stück würden einige von uns in die Nervenklinik befördern. Der weniger widerstandsfähige Teil des Publikums ging also in den Ludwig-Dürr-Saal, wo Gabetta mit dem finnischen Pianisten Henri Sigfridsson Werke von Beethoven, Schostakowitsch, Franck und Ginastera spielte.
Später Beethoven (op. 105/2) ist wohl weder für Publikum noch für Solisten etwas zum Warmspielen. Gabetta schien sich nicht sonderlich wohlzufühlen, sie spielte akzentarm, abgehoben und karg; von Cello weggeneigt, als sei es ein Fremdkörper, das Gesicht zu einer Leidensgrimasse verzogen, weder mit dem Pianisten noch dem Publikum im Dialog.
Vielleicht verzweifelte sie am Raumklang. Der Saal, holzgetäfelter Seeschwabenchic, war eine akustische Sahara, das Cello wurde vom Flügel plattgewalzt (hätte man den nicht etwas zuklappen können?), der obendrein in den tiefen Bässen ziemlich verstimmt zu sein schien. Senza-vibrato-Bögen klingen in so einem Ambiente einfach kläglich.
Der Schostakowitsch (op. 40) geriet besser, besonders in den schnellen Sätzen. Gabetta hat offensichtlich eine Vorliebe für Schostakowitsch, wenn man sich ihre CD- und Konzertprogramme ansieht - oder ihr einfach beim Spielen zusieht. Bei flotteren Tempi führt sie mit dem Cello wahre Tänzchen auf, aber leider schien sie auch diesmal bei zarteren Passagen Mühe zu haben.
Nach der Pause war die Solistin wie ausgewechselt - konzentriert statt gequält, mehr zum Klavier gewandt. Cesar Francks umgearbeitete Violinsonate mag kein so starkes Stück wie der Schostakowitsch sein, war aber durchweg gut geraten, voll spätromantischem Schmelz.
Ebenfalls häufig im Programm ist Ginasteras Pampeana Nr. 2: sie spielt das Stück mit Verve, Liebe und technischer Brillianz, aber trotz allen modern-folkloristisch technischen Feuerwerks scheint das Stück selbst kaum mehr als eine musikalische Leibesübung.
Als Zugabe spielte man Castelnuovo-Tedescos Version des Largo al factotum. Ein Stück, das gerne Gefahr läuft, zu einer reinen Virtuosennummer zu werden, war bei Gabetta umwerfend komisch - in einem Affenzahn, der jeden Sänger erbleichen ließe. Baritonale Erdung gab der Pianist mit einem geschmetterten "Figaro", das sogar die Cellistin aus der Fassung brachte.
Applaus und Blumen. Aus dem großen Saal wehten sanfte Walzerklänge - wir ergriffen die Flucht.

PS: Sie trägt immer noch das silberne Negligé. Wann kommen eigentlich die Skride-Schwestern mal wieder vorbei?