Samstag, 7. März 2009

Doch wieder Galerie! Nikolai Tokarev und das ZKO in der Tonhalle

Gibt es das noch? Ein Konzert, das so gar keinen Grund für Negativ-Kritik bietet? Sind wir mittlerweile so arrogant geworden, dass uns diese Tatsache überrascht?

Am Donnerstag machten wir uns mit vierzehnjähriger Begleitung - ein Novum - einmal mehr auf in die Tonhalle Zürich. Es spielte das Kammerorchester unter Muhai Tang in einem seltsamerweise alles andere als ausverkauften Saal. Geht die gute Zürcher Goldküsten-Society nur ins Konzert, wenn das Tonhallen-Orchester oder jenes der Oper spielt?
Wie auch immer, wir nutzten die Gunst der Stunde. Das erste Stück - eine von Gustav Mahler für Orchester umgeschriebene Version von Beethovens Streichquartett in f-Moll op. 95 - bot mir lediglich Aussicht auf den mit Begeisterung spielenden ersten Cellisten und offenbarte doch schon das, was diesen Abend so besonders machen sollte - die unglaubliche Spielfreude dieses kleinen Orchesters, das die Vorteile einer Kammermusik-Formation mit denen eines ausgewachsenen Orchesters verbindet. In der Umbauphase vor dem zweiten Stück schmuggelten wir uns auf der Galerie links ein paar Reihen nach vorn - eine weise Entscheidung, wie sich bald zeigte. Auftritt der Solisten - der als russisches Supertalent hochgejubelte Pianist Nikolai Tokarev, der aber wesentlich sympathischer und vor allem auch glaubwürdiger wirkt als diverse (asiatische) Kollegen, und der Deutsch-Schweizer Trompeter Giuliano Sommerhalder, der die unglückliche Rolle einer "zweiten Geige" inne hatte. Gemeinsam spielten sie Shostakovichs Klavierkonzert Nr. 1 und das mit so viel Virtuosität und Spaß, dass wir absolut hingerissen waren - ganz anders als bei Konzerten etablierterer und vor allem älterer Pianisten, deren Routine häufig die Spielfreude zu beeinträchtigen scheint.
Tokarev ließ das Publikum nach einer - noch zu identifizierenden - Zugabe beinahe atemlos zurück, wir hätten ihm noch stundenlang lauschen können, wobei sich unsere jugendliche Begleitung in der Pause mit einem Autogramm auf ihrer CD tröstete - auch abseits der Bühne machten die Solisten einen äußerst allürenfreien Eindruck. Den Abschluss eines rundum gelungenen Abends bildete ein weiteres umgeschriebenes Beethoven-Quartett - jenes in cis-Moll, das uns mit diversen Ohrwürmern heimkehren ließ - und mit dem festen Willen, bald wieder ein Konzert des Kammerorchesters zu besuchen, dessen Dirigent uns mit seinem Charme und seinem Enthusiasmus völlig für sich einnahm.
Einziges Manko: die Tonhalle scheint noch immer ein größeres Problem mit ihrer Klimaanlage zu haben, die während der leisen Stellen des zweiten Beethoven unschön dröhnte.
Kann da mal jemand was dagegen tun, bitte?

Donnerstag, 26. Februar 2009

Roktett reloaded


Liebes Roktett!
Ich bin gerade dabei, die Homepage dezent zu aktualisieren. Dazugekommen sind Eigenwerbung für Muggen, bessere Künstlerphotos (Achim Fischer sei Dank), außerdem habe ich in ein paar Charakterisierungen rumgeschweint. Wer Einwände oder Anregungen hat, möge sich melden.

Samstag, 21. Februar 2009

Berliner Luft in Zürich



Nachdem wir keine Karten für Sir Simon und seine Band mit Bruckner und Messiaen mehr ergattern konnten, nahmen wir heute mit den Schweizern aus der selben Gang vorlieb.
Sehr gespannt blickten wir auf das Programm, das auch eine Komposition des Cellisten David Riniker enthielt, der selbst Mitglied der Berliner Philharmoniker und selbstverständlich Schweizer ist.

Auftakt war das g-Moll Quintett von Mozart. Für den Komponisten wohl ein eher düsteres Stück und wahrscheinlich in der Tat das düsterste dieses Nachmittags, abgesehen von der Fasnachts-"Musik", die derzeit vor unserem Fenster ihr Kreise zieht - welch Absturz nach einer so wundervollen Bereicherung!
Leider konnten die Fünf bei diesem Mozart das Fehlen eines Dirigenten nicht verbergen. Das Stück wirkte durchweg und vor allem in den schnellen Sätzen klapprig und man hatte den Eindruck, als hätten sie das noch nicht sehr häufig zusammen geprobt. Besonders die erste Geige Bettina Sartorius schien mit ihrer Stimme zu kämpfen und eher gegen das Stück und die anderen zu spielen. "Simon, we need you!" Überhaupt wirkten die überwiegend jüngeren Musiker durch das ganze Programm extrem schüchtern und unerfahren als Solisten, was für das berühmteste Orchester der Welt kurios erscheint. Immerhin haben sie sogar einen Noten-vom-Pult-Abhol-Service. Das gibt es nicht einmal bei den Emersons!

Weiter ging es mit dem Werk des Cellisten. Als eine Art Reminiszenz an Mendelssohn, Brahms, Bruckner und Konsorten - jedenfalls passend zum Programm - schrieb er das Stück für eine Besetzung, so dass alle Schweizer der Berliner zum Zuge kamen - dadurch leider etwas schwach im Bass. Diesmal mit Christophe Horák an der ersten Geige, wobei sich diese bei Rinikers Werk kaum von den anderen abheben sollte. Es bestand zum großen Teil aus gesprächsartigen Zuwürfen von Subgruppen des Septetts. Insgesamt ein eher amüsantes Stück, aber so war es wohl auch vorgesehen. Ein Cellosolo hat sich der Komponist freilich auch noch eingebaut und man sah allen Spielern des Spaß an, der sich auch auf das schmunzelnde Publikum übertrug. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: das war keine Unterhaltungsmusik, nur auf witzige Art und Weise gesetzt. Kompliment!
Bleibt die Frage: wo bekommen wir die Noten her?

Es folgte ein für mich unbekanntes Werk von Ernö Dohnányi, ein impressionistisches Trio. Naiv gesagt klang es wie eine Mischung aus Brahms und Shostakovich und bot so eine ideale Überleitung von der Romantik zu unserem geliebten Russen. Die Geige diesmal Aline Champion, welche brilliant spielte, jedoch ebenso schüchtern wirkte. Liegt es daran, dass die Leute nicht von den ersten Pulten kommen? Ein wunderbar fetziges Scherzo, der in mit einem falschen Fortissimo-Ton Champions endete, was bei ihr zu einem verlegenen Lächeln und beim Publikum zu verfrühtem Applaus führte. Oder gehörte das etwa so?

Beim Oktett von Shostakovich half der Cellist Thomas Grossenbacher von der Tonhalle Zürich aus, an der ersten Violine wieder Horák. Zu diesem Stück kann ich nur eines sagen: genial und typisch Shostakovich! Besonders in Erinnerung blieb mir die Stelle im Finalsatz, in der die Geigen in der Tonhöhe versetzt das Thema spielen, was zu einem interessanten Effekt führte. Das Stück wurde präzise vorgetragen und vermittelte dem Hörer eingehend das Finstere und Depressive im ersten und das Aufbrausende im zweiten Teil des Oktetts.

Als Zugabe gab es
Das macht die Berliner Luft Luft Luft...
angekündigt durch den Cellisten auf Schweizerdeutsch und das Publikum klatschte mit. Irgendwie scheint das langsam zu jedem Konzert dazu zu gehören. Auf dem Weg zum Parkhaus wurde auch schnell klar, welche Melodie noch eine Weile im Kopf bleiben wird. Ein Ohrwurm aus Berlin.

Dienstag, 3. Februar 2009

Happy Birthday!

Auf die nächsten 200 Jahre, alter Freund!

Warum man sein Handy im Konzert ganz ausschalten sollte

Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, Adagio un poco mossoDer Pianist ergriff die Flucht nach vorne ins Rondo.